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Antibabypille

Seit 1961 ist die sogenannte „Pille" in der Bundesrepublik auf dem Markt. Sie ist die sicherste Methode der Empfängnisverhütung, indem sie die Konzeption auf verschiedenen Wegen verhindert:

  1. Zum einem verhindern die in der Antibabypille vorhandenen Hormone den Eisprung, der männliche Samen trifft also auf ein nicht befruchtbares Ei.
  2. Zum anderen wird der Cervixschleim (schleimige Flüssigkeit im Gebärmutterhals) verändert, so daß ein Eindringen von Samenzellen in die Gebärmutter verhindert wird.
  3. Drittens baut sich unter dem Hormoneinfluß der Pille die Gebärmutterschleimhaut nur teilweise auf und ist so nicht vollständig auf eine Einnistung des Eies vorbereitet.

Im Rahmen der Pilleneinnahme kommt es alle vier Wochen zu einer sogenannten Abbruchblutung.

Seit Markteinführung der „Pille" sind die Hormonkonzentrationen in den Präparaten kontinuierlich gesenkt worden.

Es werden mehrere Arten von „Pillen" unterschieden.

  1. Klassische Einphasenmethode. Die Präparate dieser Methode enthalten alle eine Östrogen-Gestagen-Kombination, und zwar in gleicher Dosierung während des gesamten Einnahmezyklus.
  2. Zweiphasenmethode (sogenannte Sequentialmethode). In der Phase 1 (15 Tage) enthalten die Pillen nur Östrogen, in der Phase 2 (5 Tage) enthalten die Pillen ein Gemisch aus Östrogenen und Gestagen. Die Zweiphasenpille gilt als deutlich physiologischer, d. h. sie ist deutlich besser an den natürlich Monatszyklus angeglichen. Die Wirksamkeit der Zweiphasenmethode ist allerdings geringer als die der Einphasenmethode.
  3. Die Zweistufen-Pille. Die Zweistufen-Pille ist der Zweiphasenmethode vergleichbar. Allerdings erhält sie schon in den ersten Einnahmetagen sehr, sehr kleine Mengen an Gestagen. Eine Erhöhung der empfängnisverhütenden Wirkung wird dadurch erreicht, daß außer dem Eisprung auch das Vordringen der Samenzellen in den Uterus mit verhältnismäßig großer Sicherheit verhindert wird.
  4. Die Dreistufen-Pille. Sie gilt als Fortentwicklung der Zweiphasenmethode und der Zweistufen-Pille und soll dem natürlichen hormonellen Geschehen des Monatszyklus besonders gut angepaßt sein. In jeder Pille liegt ein Gemisch von Gestagenen vor, die Dosierung der beiden Komponenten ist aber in drei Stufen eingeteilt. Obwohl der Hormongehalt bei diesem Präparatetyp extrem niedrig gehalten werden kann, werden deutlich seltener als bei den Ein- bzw. Zweiphasenpräparaten Zwischenblutungen festgestellt.
  5. Die Mikropille. Mikropille ist die Bezeichnung für Hormonpräparate, die in der Tagesdosis weniger als 50 Mikrogramm Östrogen und noch weniger Gestagen enthalten. Die Mikropille hemmt den Eisprung sicherer als die Minipille.
  6. Die Minipille. Bei der Minipille werden laufend ausschließlich kleinste Mengen von Gestagenen eingenommen, was den Eisprung nicht zuverlässig unterdrückt, aber die Wirkung hat, daß der Zervixschleim (Schleimflüssigkeit im Gebärmutterhals) sich nicht verflüssigen kann. Diese feste Schleimbarriere ist von den männlichen Samenzellen nicht überwindbar. Die Minipille muß auf die Stunde genau jeden Tag zur gleichen Zeit eingenommen werden, da schon leichte Unregelmäßigkeiten in der Einnahme den Empfängnisschutz in Frage stellen.

Frauen sollten mit ihrem Gynäkologen intensive Gespräche darüber führen, welches Pillenpräparat für sie am besten geeignet ist. Antibabypillen mit besonders viel Östrogenen oder ausschließlich Gestagenen bergen ein erhöhtes Risiko von Neben- und Folgewirkungen. Viele Ärzte raten deshalb von den „starken" Pillen ab und verschreiben Pillenpräparate mit niedrig dosiertem Hormongehalt.

Bei schweren Lebererkrankungen, Krebs, Störungen des Fettstoffwechsels, Neigungen zu Krampfadern und Venenentzündungen oder einer Thromboseneigung sollte die Pille keinesfalls eingenommen werden.

Die Gefahr von Thrombosen und Embolien kann durch regelmäßig betriebenen Sport nach Ansichten vieler Ärzte verringert werden. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) rät, daß Raucherinnen ab Mitte 30 die Pille nicht mehr einnehmen sollten.

Ein vergrößertes Risiko für die Patientinnen besteht auch bei Übergewicht oder Bluthochdruck.

Immer mehr auch sehr junge Mädchen nehmen heute die Pille. Bei ihnen ist zu beachten, daß sie bereits vor der Pilleneinnahme einen regelmäßigen Monatszyklus haben sollten, damit die Gefahr, daß der Reifeprozeß durch die Hormonzufuhr nachhaltig gestört wird, möglichst klein gehalten werden kann.

Pillenpausen sind aus medizinischer Sicht nicht mehr unbedingt notwendig. Sie können aber, sofern der Wunsch besteht, eingelegt werden.

Bestimmte Schlafmittel (Barbiturate) heben die emfängnisverhütende Wirkung der „Pille" auf. Auch bei Erbrechen kurz nach der Pilleneinnahme ist die Sicherheit des Empfängnisschutzes in Frage gestellt. Generell gilt, daß die Pille nicht zusammen mit anderen Medikamenten eingenommen werden sollte.

Die Nebenwirkungen der unterschiedlichen Pillenpräparate können vielgestaltig sein und sollten in jedem Falle mit dem Arzt besprochen werden. Häufig sind sie durch einen Wechsel des Pillenpräparates zu beeinflussen.