Psychische Belastung

Endometriose ist oft mit erheblichen psycho-sozialen Belastungen verbunden, weil:

  • Endometriose in vielen Fällen erst nach Jahren des Leidens diagnostiziert wird.

  • Patientinnen sich zu lange unverstanden und allein gelassen fühlen.

  • Endometriose die Lebensqualität stark einschränken und sich auf die Berufsfähigkeit auswirken kann.

  • Endometriose zur Unfruchtbarkeit führen kann.

  • Endometriose eine chronische Krankheit ist.

  • Endometriose mit starken Schmerzen einhergehen kann.

  • Endometriose zum Teil eingreifende und langjährige Therapiemaßnamen erfordert.

  • die Ursachen der Endometriose noch nicht erforscht sind: Erkrankungen, deren Ursache man nicht kennt, sind deutlich schwerer zu verarbeiten.

und weil die psychische und körperliche Belastung von Familien, Freunden, Arbeitgebern und manchmal selbst von Ärzten abgetan wird.

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Die psychische Belastung muss ernst genommen werden. Das gilt für die Patientin, das Umfeld und die Ärzteschaft.

Die seelische Verfassung wirkt sich auf den Heilungsprozess einer Krankheit aus. So können psychische Belastungen eine Besserung erschweren, während eine positive Einstellung die Behandlung fördern kann. Deswegen ist bei der Behandlung oftmals eine ergänzende psychosomatische Behandlung sinnvoll oder notwendig.

Hintergrund: Das Leiden an der Endometriose

Jede Frau erlebt und erleidet ihre Endometriose anders. Dennoch gibt es einige typische Gemeinsamkeiten:

Erschwerte und verzögerte Diagnose

Die betroffenen Patientinnen haben oft eine lange Vorgeschichte, in der sie sich mit ihren Beschwerden unverstanden und allein gelassen fühlten. Manchmal werden die Frauen in eine Psychatrie eingewiesen, was die Situation noch verschlimmert. Es braucht also häufig neues Vertrauen in die Ärzte.

Unklare Ursache

Aus der Stressforschung wissen wir, dass Erkrankungen, deren Ursache man nicht kennt, zu Angstreaktionen führen und deutlich schlechter zu verarbeiten sind, als jene, deren Ursachen bekannt sind.

Endometriose ist nicht wie Herzinfarkt oder Diabetes allgemein bekannt. Den Namen können die Leute oft nur schlecht behalten. Das bedeutet, dass Frauen oft Schwierigkeiten haben, über diese Krankheit mit Angehörigen und Freunden zu sprechen. Sie müssen erst erklären, um was es sich handelt. Die Folge kann ein Gefühl von Isolation und von mangelnder Unterstützung sein.

Eine chronische Erkrankung

Chronische Erkrankungen wie die Endometriose stellen eine besondere Belastung dar, weil sie der menschlichen Hoffnung auf Heilung widersprechen.

Patienten möchten wieder gesund werden. Chronische Erkrankungen erfordern immer wieder Mut und Kampfgeist: sich nicht unterkriegen lassen.

Chronische Krankheiten wirken sich auch auf die Leistungsfähigkeit aus, führen zu Schwierigkeiten im Beruf und im beruflichen Weiterkommen. Der Partner und die Familie müssen lernen mit der Krankheit der Patientin umzugehen.

Alter

Die Krankheit betrifft junge Frauen. Die gesellschaftlich vermittelten Modelle und Stereotypen einer jungen Frau sind Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Schönheit und Erfolg. Von jungen Frauen wird gewissermaßen erwartet, dass sie gesund sind. Endometriose-Ppatientinnen laufen Gefahr, gesellschaftlich ins Abseits zu geraten und stigmatisiert zu werden.

Schmerzen

Chronische schmerzen führen in einen Teufelskreis aus Angst vor Schmerzen, Rückzug, Inaktivität, Verkrampfung und Funktionsverlust, Depression und Hoffnungslosigkeit, was die Schmerzen wiederum verstärkt.

Schmerzen im Unterbauch betreffen eine Körperregion, die eng mit Intimität und Sexualität verbunden ist. Patientinnen erleiden teilweise schwere Beeinträchtigungen ihres sexuellen Erlebens. Freude an der Sexualität und Genießen der sexuellen körperlichen Erregung und Entspannung werden, werden deutlich erschwert.

Dies kann die Partnerschaft und intime Beziehung belasten und dazu führen, dass der Körper nur noch als Last und nicht mehr als Quelle von Lust erlebt wird.

Unfruchtbarkeit und Kinderwunsch

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist eine schwere Belastung für die betroffenen Paare. Unfruchtbarkeit kann sich stark auf die seelische Gesundheit der Betroffenen auswirken und unter anderem zu Depressionen, Verhaltensstörungen, Angst und Zwangssymptomen führen.

Welche Hilfen möglich sind, erfahren Sie im Abschnitt psychosomatische Behandlung.