Psychosomatische Behandlung

Die psychische Belastung muss ernst genommen werden. Ergänzende psychosomatische bzw. psychotherapeutische Behandlungen sind nicht nur sinnvoll, sondern in vielen Fällen auch dringend angeraten.

Positive Denkmuster wirken sich positiv auf den Besserungsprozess aus. Therapien sind daher darauf ausgelegt, der Patientin zu helfen, Denkmustern und Reaktionen mit psychologischen Hilfen zu ändern. Entspannungtechniken helfen dabei.

In diesem Abschnitt erfahren Sie, warum neue Denkmuster und Entspannungstechniken hilfreich sind und welche

Therapieansätze zur Verfügung stehen.

Denkmuster und Entspannungstechniken

Denkmuster: Ein konkretes Beispiel

Die Patientin berichtet:

Schon am frühen Morgen waren leichte Schmerzen im Bauch spürbar. Mein Gedanke war: 'Jetzt geht es schon wieder los, wie soll ich bloß durch den Tag kommen.' Ich fühlte Angst, Wut, Hilflosigkeit."

Diese Gefühle haben auch körperliche Reaktionen zur Folge: Blutdruckanstieg und Muskelverspannungen. Wenn es der Patientin gelingt, das Denkmuster zu ändern, so verändert dieses erlernte Denken mit der Zeit auch die körperlichen Reaktionen.

Das neue Denkmuster könnte etwa so aussehen:

„Ich konnte mich in der Nacht gut erholen. Jetzt wird der Körper aktiv und hat etwas Anlaufschwierigkeiten. Das wird nachher weniger..."

Entspannungstechniken

Hilfreich sind Atemübungen und das Erlernen einer Entspannungstechnik wie Progressive Muskelrelaxation und/oder Autogenes Training.

Diese Techniken helfen, die stressbegleitenden Reaktionen wie Pulsanstieg, Atemsteigerung und Muskelverspannung zu mildern.

Die Patientin konzentriert sich auf das Ein- und Ausatmen und damit auf den Körper.

Danach versuchen die Patientinnen gezielt:

  • sich auf bestimmte Körperregionen wie zum Beispiel Arme zu konzentrieren

  • die Spannung dort wahrzunehmen

  • und mit dem Ausatmen aktiv durch ihre innere Stimme die Spannung 'heraus fließen' zu lassen.

Das führt zu Schweregefühl, Wärme, ruhigen Puls, regelmäßiger Atmung und kühler Stirn. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch diese innere Vorstellung bestimmte Gehirngegenden aktiviert werden, die dann die vorgestellten Entspannungsvorgänge herbeiführen.

Therapieansätze

Vertrauensvolle Beziehung zu dem Arzt

Patientinnen sollten unbedingt einen Arzt zu Rate ziehen, der ergänzende Therapien mit anderen Fachkräften koordinieren sowie ihre Fragen und Sorgen beantworten kann. Der Arzt muss die Patientin begleiten: Der Bezugsarzt trägt Sorge dafür, dass die Patientin ihre Fragen beantwortet bekommt. Dazu gehört eventuell die Klärung für sie widersprüchlicher Informationen durch verschiedene Fachleute.

Psychotherapeutische Hilfen

A. In Zusammenhang mit chronischen Schmerzen:

Spezialisierte Schmerzambulanzen bieten häufig Psychotherapien an. Solche Therapien werden einzeln oder in Gruppen durchgeführt.

Die Patientinnen werden zunächst über die körperlichen Vorgänge bei, chronischen Schmerz informiert. Sie erfahren, dass bei lang andauernden Schmerzen sich etwas an der Signalübermittlung verändert und im Gehirn sensible Areale aufgebaut werden, zu denen die Nervenfasern gewissermaßen einen direkten Zugang haben. Dies führt gleichzeitig zu Veränderungen im Gehirnstoffwechsel. Dadurch sinkt die Schmerzschwelle im Vergleich zu Menschen ohne chronische Schmerzen.

Ziele der Therapie chronischer Schmerzen sind:

  • Durchbrechung des Schmerzteufelskreises durch eine ausreichend dosierte und wirksame medikamentöse Schmerztherapie

  • Untersuchung von schmerzauslösenden, schmerzverstärkenden und schmerzabschwächenden Faktoren sowohl bei der Patientin selbst wie auch in ihrem persönlichen Umfeld. Bekannte verstärkende Faktoren sind Angst, Wut, Stress, Rückzug, Inaktivität und ein Verhalten der Bezugspersonen, welches dazu geeignet ist, diese Defizite zu verstärken, anstatt durch Unterstützung der Ressourcen schmerzlindernde Schritte zu ermöglichen.

  • Erlernen von autosuggestiven Techniken um die Stärke der Schmerzen zu beeinflussen.

B. Bei unerfülltem Kinderwunsch

Zu Beginn der Unfruchtbarkeit geht es um emotionale Entlastung in einem einfühlsamen Gespräch. Das Auf und Ab von Hoffnung und Enttäuschung sollte aufgefangen und durch regelmäßige Gespräche abgemildert werden. Hier sind wiederum Entspannungstechniken sehr hilfreich. Ebenso haben sich Vorstellungsübungen als wirksam erwiesen.

Schließlich geht es bei manchen betroffenen Endometriose-Patientinnen darum, sich endgültig von ihrem Kinderwunsch zu lösen. Die dabei zu leistende Trauerarbeit sollte psychotherapeutisch unterstützt werden.

C. Bei Sexualstörungen

Eine besondere Belastung stellen die chronischen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr dar. Hier brauchen die Paare eine spezialisierte sexologische Beratung, in der konkret über den Ort des Schmerzes, über sexuelle Wünsche und Vorstellungen, über Reaktionen bei der Patientin selbst und ihrem Partner gesprochen wird.

Patientinnen können lernen, mit Schmerzen umzugehen. Neue Formen der sexuellen Interaktion sollten besprochen und zahlreiche Aspekte behandelt werden: Wann genau beginnt der Schmerz? Welche Art der Stimulation ist angenehm, welche erregend? Wie wirkt sich der Schmerz dabei aus? Wie können die unterschiedlichen Bedürfnisse der Partner aufeinander abgestimmt werden und wie kommen die Beiden ins Gespräch?

D. Seelische Erkrankungen als Folge der Endometriose

Manche Endometriose-Patientinnen entwickeln ein 'Burn-out-Syndrom' bzw. eine Depression. Die Kräfte sind erschöpft und es kommt zu einer seelischen Erkrankung. Diese Erkrankung sollte erkannt werden und wie ein eigenes Krankheitsbild behandelt werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, nicht nur die Endometriose im Blick zu haben, sondern eine sich entwickelnde Depression mit geeigneten Fragen zu erkennen und wo nötig zu behandeln.